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TRANSFAIR und RUGMARK - zwei Siegel unter einem DachBerlin, den 29. Mai 2000 Erstmals stellen die zwei unabhängigen Siegelinitiativen TRANSFAIR und RUGMARK einen gemeinsamen Jahresbericht vor. Seit Anfang 1999 arbeiten TRANSFAIR, Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt" e.V. und RUGMARK, die Initiative gegen illegale Kinderarbeit in der Teppichindustrie, zusammen. Zum Vorteil von benachteiligten Produzentengruppen und Knüpferfamilien erreichten Waren mit den beiden bedeutenden Sozialsiegeln einen Gesamtumsatz von 230 Millionen Mark. "Trotz unterschiedlicher Kriterien arbeiten die beiden Organisationen gemeinsam gegen illegale Kinderarbeit und geben den Erwachsenen Chancen durch bessere Arbeitsbedingungen," sagte TRANSFAIR-Vorsitzender Jürgen Hammelehle (Brot für die Welt). Dieser guten Zusammenarbeit der beiden Initiativen steht ein erstmaliger Umsatzrückgang bei TRANSFAIR auf 110 Millionen Mark gegenüber. 1998 waren es noch 130 Millionen Mark. "Dafür sind die extremen Preiskämpfe im Lebensmitteleinzelhandel verantwortlich," analysiert Dieter Overath, TRANSFAIR-Geschäftsführer: "Kaffee, das wichtigste TRANSFAIR-Produkt wird mehr denn je als Lockangebot benutzt und zum Schleuderpreis angeboten. So werden die Preisabstände zu den TRANSFAIR-Produkten größer und führten zu Absatzrückgängen." RUGMARK-Teppiche hingegen konnten sich in der Orientteppich-Branche mit einem Umsatz von 120 Millionen Mark gut behaupten. TRANSFAIR-Produkte im WettbewerbBio boomtIn der Produktpalette mit dem TRANSFAIR-Siegel finden sich immer mehr Sorten, die aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. Der Faire Handel ist durch seine Beratung und die Mehrpreiszahlung oftmals die Voraussetzung für einen ökologischen Landbau. Schritt für Schritt werden die ökologischen Kriterien umgesetzt. Und auch die Verbraucherinnen und Verbraucher greifen verstärkt auf fair gehandelte Bioprodukte zurück. 1999 trug jedes dritte verkaufte Kaffeepäckchen neben dem TRANSFAIR-Siegel auch ein Biolabel, bei Tee war es sogar jede zweite Packung. Rund 70 Prozent der TRANSFAIR gesiegelten Bananen kamen aus ökologischem Landbau. Ein schweres Jahr für KaffeeproduzentenIm deutschen Supermarktregal tobt der Preiskampf. Die kleinen und mittleren Röster von TRANSFAIR-Kaffee können hier nicht mithalten - erst recht nicht, wenn sie ihren Rohkaffee zu fairen Bedingungen einkaufen. Neben der Preispolitik führte die Auslistung von TRANSFAIR-Kaffee bei dem Tengelmann-Discounter "Plus" zu dem Rückgang in 1999. Das ist bitter für die Kaffeebauern und ihre Kooperativen, denn der Preis für Rohkaffee schwankte 1999 an den internationalen Märkten extrem und lag immer deutlich unterhalb des TRANSFAIR-Mindestpreises. Unter diesen Rahmenbedingungen wurden 1999 rund 3.350 Tonnen Röstkaffee mit dem TRANSFAIR-Siegel verkauft. Im November letzten Jahres konnte Bundespräsident Johannes Rau das 50-millionste Kaffeepäckchen mit dem TRANSFAIR-Siegel entgegennehmen. Das bedeutet Direkteinnahmen von 175 Millionen Mark für die Kaffeegenossenschaften in Afrika und Lateinamerika. Der Bundespräsident ließ seiner Sympathie für den Fairen Handel Taten folgen. Ab sofort wird in der Villa Hammerschmidt und im Schloss Bellevue nur noch Kaffee, Tee und Orangensaft mit dem TRANSFAIR-Siegel ausgeschenkt - so auch bei Staatsempfängen. Neu im TRANSFAIR-Sortiment: OrangensaftOrangensaft mit dem TRANSFAIR-Siegel wurde im Mai 1999 in Köln mit einer bundesweiten Pressekonferenz vorgestellt. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm, der sich aktiv gegen Kinderarbeit stark macht. Bei der Einführung von Orangensaft mit dem TRANSFAIR-Siegel zeigte das starke Bündnis der vierzig Mitgliedsorganisationen gute Wirkung. Nach regionalen Testmärkten wird nun der faire Saft bei Karstadt, REWE und in den Weltläden bundesweit angeboten. Eine Vielzahl von Projekten konnte aus den Fairhandelsprämien für die Pflückerfamilien verwirklicht werden. Tee - ein Genuss mit PremiumAnders als bei Kaffee wird der hierzulande konsumierte Tee nicht von Kleinbauernfamilien, sondern fast ausschließlich in privatwirtschaftlich gemanagten Plantagen angebaut. Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Teepflückerinnen und Plantagenarbeitern sowie deren Familien zu verbessern, überweisen die Importeure pro Kilo Tee einen festen TRANSFAIR-Aufschlag, der vor Ort selbst verwaltet wird. dieser Sozialaufschlag entspricht mit ca. zwei Mark pro Kilo etwa dem Tageslohn einer Teepflückerin. Die Lizenznehmer konnten 170 Tonnen Tee absetzen. An Sozialaufschlägen kamen im vergangenen Jahr über 300.000 Mark zusammen. Faires NaschwerkMit einem Gesamtumsatz von 14,5 Millionen Mark bietet der Faire Handel den Verbraucherinnen und Verbrauchern ein Sortiment von süßen Spezialitäten. 1999 wurde der Absatz von Bonbons mit dem TRANSFAIR-Siegel um 50 Prozent gesteigert, Schokoriegel zeigen ein Umsatzplus von 20 Prozent. Schokolade, Nussnugat-Creme, Honig, Kakao und Zucker mit dem Sozialsiegel blieben knapp unter dem Ergebnis des Vorjahres. Insgesamt wurden 100 Tonnen Kakao, 200 Tonnen Schokolade, 454 Tonnen Honig, sieben Tonnen Zucker und 20 Tonnen Bonbons verkauft. Die ganze Palette der fair gehandelten Süßigkeiten ist vor allem in den 750 Weltläden erhältlich. Wiederaufbau der Bananenpflanzen nach UmweltkatastrophenNach den schweren Unwettern 1998 vermittelte TRANSFAIR ein Sofort-Hilfsprogramm zugunsten der Bananen-Bauern in der Dominikanischen Republik. Rund ein Jahr dauerte die Aufbauarbeit. Seit Juli 1999 bietet die REWE-Handelsgruppe wieder fair gehandelte Bananen mit dem Bio-Label "Füllhorn" an. In dem verkürzten Exportjahr 1999 konnten 1.579 Tonnen Bananen mit dem TRANSFAIR-Siegel verkauft werden. Die Bananenbauern erhielten 1999 zusätzlich zum festgelegten Verkaufspreis Fairhandels-Prämien von 282.000 Mark. RUGMARK - gemeinsam gegen illegale Kinderarbeit1999 wurde ein Umsatz von 120 Millionen Mark mit RUGMARK besiegelten Teppichen in Europa erreicht. Im Vergleich zu 1998 (122 Mio.) haben RUGMARK-Teppiche mit einem Gesamtrückgang um 3,7 Prozent vergleichsweise gut abgeschnitten, da die gesamte Orientteppich-Branche sehr starke Rückgänge und Verlagerungen verkraften musste. Der Marktanteil von RUGMARK-Teppichen in Deutschland liegt bei sechs Prozent. Das Kontroll- und Lizenzsierungsverfahren von RUGMARK ist in dieser Form einzigartig. RUGMARK-Inspektoren kontrollieren rund 35.000 Knüpfstühle in Indien und Nepal; über 25 Prozent aller indischen Knüpfstühle werden auf RUGMARK-Bedingungen überprüft - in Nepal sogar über 50 Prozent. RUGMARK-Teppiche erzielten 1999 über 400.000 Mark Lizenzgebühren, die in den Herstellerländern für Kontrolle und Projektarbeit zur Verfügung stehen. Damit ist es gelungen, illegale Kinderarbeit in der Teppichproduktion zurückzudrängen. RUGMARK-Inspektoren haben bisher über 1.500 Fälle von Kinderarbeit aufgedeckt. In neun RUGMARK-Schulen und Rehabilitationszentren werden derzeit rund 1.300 Kinder ausgebildet und betreut. In zehn weiteren Projekten, die die Hilfswerke Brot für die Welt, Misereor, terre des hommes und Unicef finanzieren, werden rund 4.000 Kinder unterrichtet. 1,5 Millionen RUGMARK-Teppiche exportiertEnde 1999 wurde der 1,5 Millionste Teppich mit dem RUGMARK-Siegel aus Indien exportiert. Den Jubiläumsteppich überreichte die langjährige Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff auf der Domotex, der weltgrößten Teppichmesse in Hannover, an die Verbraucher Initiative. Die terre des hommes Schirmherrin sicherte RUGMARK weitere Unterstützung im Kampf gegen illegale Kinderarbeit zu. Würden diese 1,5 Millionen Teppiche aneinandergereiht, könnte man den halben Weg von Deutschland nach Indien auf RUGMARK-Teppichen zurücklegen. "In den nächsten Jahren möchten wir Indien ganz erreichen und damit symbolisch die Brücke zwischen den Knüpferfamilien und Teppichkäufern vollenden", steckt Dieter Overath das Ziel für RUGMARK fest. Die Aussichten dafür sind mit der Etablierung von RUGMARK im europäischen Kontext und in Indien, Nepal und Pakistan gut. |