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Während die Anbieter noch größtenteils aus dem alternativen Bereich stammen, mit dem Schwerpunkt Prenzlauer Berg, geht das Medienecho weit darüber hinaus. Nicht nur die taz, sondern auch die Berliner Zeitung, die Berliner Morgenpost, sowie die Welt am Sonntag und andere Zeitungen berichteten über die neue Initiative – meistens positiv. Besonders hervorgehoben wird der Anspruch, regionale Wirtschaftskreisläufe aufzubauen und die ökologischen Anbieter zu unterstützen. Dass damit auch eine Kritik an den internationalen Finanzmärkten verbunden ist (siehe die Selbstdarstellung der Initiative im Kasten weiter unten) wird in den konservativen Blättern lieber nicht erwähnt. Stattdessen wird dort ausführlich über die Sicherheitsmerkmale der Berliner Gutscheine berichtet, die von der Bundesdruckerei zum Selbstkostenpreis herstellt wurden. In der taz wird wenigstens angedeutet, daß es darum geht, Alternativen zu den Billig-Discountern zu stärken. Wie läuft der Berliner?
Die Deutsche Bundesbank hatte nichts gegen das Projekt einzuwenden. Alles unter einer Million Euro sei für sie sowieso Spielzeug. Da nur 200.000 Berliner gedruckt wurden, bleibt der Berliner Regional unter dieser Schwelle. Gelingt es zusammen mit der GLS Gemeinschaftsbank in Zukunft sein Girokonto in den zwei Währungen Euro und Berliner zu führen, wird es möglich sein, weiter zu wachsen, ohne diese Warnschwelle zu überschreiten. Vielleicht hat übrigens die Deutsche Bundesbank – ohne es zu wissen – Recht mit ihrem Spielzeug. Der Berliner ist was für Leute, die nicht die Wahrheit mit Löffeln gefressen haben, sondern noch lernen wollen. Sowie der Monopoly viele Kinder zum Abzockkapitalismus erzogen hat, wird der Berliner mit seiner Befristung uns immer wieder daran erinnern, dass das Geld sich nicht verselbständigen darf. Und auch wenn die Spielregeln beim Berliner nicht viel besser für das richtige Wirtschaftsleben taugen als diejenigen der Deutschen Bundesbank, so lernen wir wenigstens daran, uns selber die Spielregeln zu geben. Der Berliner läuft von selbst. Es ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern eins, das auf Vertrauen baut. Es kommt ohne staatliches Segen aus und es bekommt ihm gut. Vielleicht wird er uns später helfen können weiter zu laufen, wenn das Vabanquespiel unserer Weltwirtschaft wieder einmal in die Sackgasse führt. Die geistigen VäterWer sich den Berliner genauer anschaut, erkennt leicht die geistigen Wurzeln dieser Währung. Für die Umlaufsicherung, die hier in einer geschwächten Form auftritt, steht Silvio Gesell Pate. Den Einfall, die Rücktauschgebühr zur Finanzierung von gemeinnützigen Initiativen zu nutzen, ist dagegen von Rudolf Steiner inspiriert, der seinerseits nicht viel vom Freigeld Silvio Gesells gehalten hat. Als erste alternative Währung hatte der Chiemgauer damit angefangen und sich offen auf Rudolf Steiner berufen. Ob das nicht auch eine geschwächte Form desjenigen ist, was Rudolf Steiner unter Schenkgeld verstanden hat, sei hier dahingestellt. Dass der Berliner Regional völlig darauf verzichtet, die alten Väter zu erwähnen, scheint ihm aber nicht schlecht zu bekommen. Heute braucht es zum Erfolg wohl ganz andere Referenzen. Kürzlich erzählte ein Kiez-Bewohner, daß es ihm gelungen sei, beim Falafelhändler mit Berliner zu bezahlen, mit dem Argument, daß schon Bundestagspräsident Wolfgang Thierse damit bezahlt hätte. Wozu Politiker doch taugen können! Wer soll noch sagen, daß ihnen niemand vertraut. Vielleicht nehmen eines Tages auch Obdachlose den Berliner an. Dann hätte sich der Kreis geschlossen.
Selbstdarstellung des Berliner-Regionals
Quelle: Trigolog Berlin 03/2005, Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors
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