![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Zu: Alexander Caspar, Wirtschaften in der Zukunft (Buchbesprechung) Redaktionelle Vorbemerkung: Die ebenso vom Blick auf die heutige Zeitlage wie durch R. Steiners Ausfühungen zu einer neuen Geld- und Wirtschaftsordnung angeregten systematischen Gedankengänge von Alexander Caspar sind hochaktuell für jedermann, der nach Wegen aus dem gegenwärtigen sozialen Chaos sucht - in einer Zeit, wo relativ wenige Menschen Unsummen von Geldern "arbeiten" lassen können, ohne einen Finger zu krümmen und damit Millionen von Menschen in die Verarmung treiben und dabei der heutigen Geldwirtschaft Krebsgeschwür um Krebsgeschwür einpflanzen. Caspar zeigt auf, was Arbeit im wirtschaftlichen Sinne ist (geistige wie körperliche), wie es zu deren Wertbestimmung kommt, wie das heute "wild" gewordene Geld wiederum "gezähmt", d.h. Tauschmittel und Ausdruck real (und nicht spekulativ) erwirtschafteter Arbeitsleistungen zu werden hat, um nur ein paar wenige der im folgenden erläuterten Motive herauszugreifen. Wir werden in folgenden Nummern diese brennenden Fragen weiter verfolgen.
Mit seinem Buch Wirtschaften in der Zukunft gibt Alexander Caspar (geb. 1934), langjähriges Direktionsmitglied einer Zürcher Privatbank, eine Einführung in eine auf die Zukunft aus gerichtete Wirtschaftsweise. Thematisch behandelt er dabei dasjenige, was Rudolf Steiner in seinem Vortragszyklus Nationalökonomischer Kurs 1 dargestellt hatte. Inhaltlich geht er dabei aber über ein bloßes Referieren der Darstellungen Steiners weit hinaus. Zum einen bezieht er in seine Ausführungen auch diejenigen Phänomene mit ein, die heute eine weit dominierendere Rolle innerhalb des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens spielen als dies am Anfang dieses Jahrhunderts der Fall war (Mobilität des Kapitals, "Verschleißwirtschaft" u. a.). Zum anderen stellt er die Inhalte in wesentlich komprimierterer Form dar. Das Verdienst von Caspar besteht darin, daß er mit seinem Buch die Inhalte des Nationalökonomischen Kurses in einer systematischen, übersichtlichen und für den Menschen der Gegenwart aktualisierten Form vorlegt. Davon ausgehend zeigt er auf, wie unter Berücksichtigung bisher vernachlässigter, den volkswirtschaftlichen Prozessen zugrundeliegender Gesetzmäßigkeiten eine auf die Zukunft hin ausgerichtete Wirtschaftsweise angestrebt werden kann. In einem Anhang des Buches führt er zudem eine Reihe von Schaubildern und Tabellen auf, mit welchen grundlegende Begriffe in anschaulicher Weise zur Darstellung kommen. Das Problem der PreisbildungDas Buch besteht aus acht Kapiteln. Einleitend weist der Autor auf ein grundlegendes Problem des heutigen Wirtschaftslebens hin, auf die Frage nach der Preisbildung (Kapitel I).[Wenn in der Folge von "Wirtschaften" und "Leistungen im volkswirtschaftlichen Sinne" die Rede ist, so ist damit gemeint, daß einem Produkt (einer Ware oder einer anderen Form der Arbeitsleistung) erst dann ein Wert im volkswirtschaftlichen Sinne zukommen kann, wenn dieses Produkt im Sinne von Kauf und Verkauf zum Austausch gebracht wird. Wirtschaften heißt somit, Leistungen (Arbeitsergebnisse materieller wie immaterieller Art), welche die Menschen hervorbringen, zum Austausch zu bringen. Denn erst dann stellt sich die Frage, wie diese Leistungen gegenseitig preismäßig zu bewerten sind.]Die heutige im wesentlichen "marktwirtschaftlich" ausgerichtete Wirtschaftsweise hat die Tendenz, den Preis eines Produktes, unabhängig von der Art der Herstellung, aus dem Regelspiel zwischen Angebot und Nachfrage sich ergeben zu lassen. Um jedoch eine gesunde Preisbildung zu ermöglichen, muß letztlich danach gestrebt werden, einen angemessenen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen des Konsumenten und den Aufwendungen des Produzenten herbeizuführen: "Inhalt unserer Ausführungen ist die Verwirklichung einer Preisbildung, welche darauf beruht, den Wert, den das Bedürfnis einem Erzeugnis beimißt, dem Wert, den ein Erzeugnis für den Hersteller besitzt, anzugleichen. Erst eine Institution wirtschaftlichen Gemeinsinns wird diese Preisbildung für alle Beteiligten vom bloß prinzipiellen Verständnis ins konkrete Leben überführen, wenn sie die güterorientierte wertebildende Tätigkeit immer wieder im Tatsächlichen von der bedürfnisbedingten wertebildenden Spannung abhängig macht. Heute wirken einer solchen Preisbildung konfuse Einrichtungen entgegen, die fatale Folgen für Mensch und Umwelt haben und nach einer Änderung rufen" (S. 12). (An späterer Stelle zeigt der Autor, daß es sich bei der artigen Einrichtungen wirtschaftlichen Gemeinsinnes, um die Assoziationen handelt (Kapitel VII, siehe weiter unten). Diesen Institutionen des Wirtschaftslebens wird es in der Zukunft unter anderem zukommen, eine sachgemäße Bewertung der volkswirtschaftlichen Güter, aber auch eine entsprechende Gestaltung der Einkommen vorzunehmen. Die gegenwärtige marktwirtschaftliche Praxis:
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Auch die Arbeit wird heute weitgehend nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage gehandhabt. Indem das Arbeitseinkommen unmittelbar an das Leistungserträgnis gekoppelt ist, wird an Stelle des Bedürfnisses das Leistungserträgnis zum eigentlichen Initiator des Wirtschaftens: "Arbeit wird zur bloßen Gelegenheit, um zu Einkommen zu gelangen" (S. 15, siehe anschließenden Kasten). Um eine Gesundung des sozialen Organismus herbeiführen zu können, muß Arbeit ihres Warencharakters entkleidet werden, "indem sie aus dem Wirtschaftsprozeß herausgehoben und auf den Boden des Rechts gestellt wird" (S. 15) 2. Caspar weist in diesem Zusammenhang mit Nachdruck darauf hin, daß es darauf ankommt, "sich den volkswirtschaftlichen Wert eines Erzeugnisses getrennt von der Arbeit zu denken" (S. 15). Andernfalls führt das heutige unmittelbare Gekoppeltsein von Arbeit und Einkommen immer mehr zu "unnötiger Arbeit", einem bloßen Produzieren um einer möglichst hohen Einkommensbeschaffung willen, zu einer sinnlosen "Verschleißwirtschaft", die Mensch und Umwelt in verantwortungsloser Weise schädigt (S. 40f.).
|
Auch dem Kapital (etwa in Form von Produktionsmitteln) ist heute der Stempel der Ware aufgedrückt. Dem stellt Caspar entgegen: "Kapital in Form von industriellen Produktions mitteln kann nicht gekauft werden. Kapital kann seiner Entstehung nach nur geliehen oder geschenkt werden..." (S. 16). Entscheidend in bezug auf das Kapital ist, daß die Verfügung darüber in entsprechend sachkundige Hände gelegt ist 3. Andernfalls kommt es zu fatalen Folgen für das soziale Leben (Gewinnmaximierung als oberstes Ziel einer Unternehmensführung; Rationalisierung, zunehmende Massenarbeitslosigkeit).
Das zentrale Anliegen des Autors ist es, ein sachgemäßes Verständnis von dem Wert der volkswirtschaftlichen Leistungen zu vermitteln (Kapitel II). Um den Prozeß der Wertbildung erfassen zu können, muß unterschieden werden zwischen den beiden Polen der menschlichen Arbeit, zwischen mehr körperlicher und mehr geistiger Arbeit: "Die menschliche Tätigkeit muß von zwei Seiten her erfaßt werden: Sie kann mehr körperlich oder mehr geistig sein. Im volkswirtschaftlichen Sinne kann körperliche Tätigkeit nur aus Arbeit unmittelbar an der Natur be stehen, geistige Tätigkeit (...) aus Arbeit, welche die körperliche Arbeit organisiert, rationalisiert. Die menschliche Tätigkeit verbindet sich wertebildend nach der einen Seite hin mit der Natur, woher der volkswirtschaftliche Prozeß seine Produkte erhält. Von der anderen Seite her wird sie durch den Geist reguliert. Insofern wirkt durch die Ausbildung der Begabungen und Fähigkeiten das Kulturleben wertebildend im volkswirtschaftlichen Prozeß" (S. 11). Sicherlich gibt es in der volkswirtschaftlichen Praxis weder rein körperliche noch rein geistige Arbeit. Um jedoch zu einem grundlegenden Maß für den volkswirtschaftlichen Wert der Leistungen zu gelangen, müssen diese beiden Pole der menschlichen Arbeit getrennt voneinander betrachtet werden. Man hat es hierbei einerseits mit etwas unmittelbar Bestimmbarem, dem Ergebnis der Körperarbeit, und andererseits mit etwas zunächst in unmittelbarer Form nicht Bestimmbarem, der geistigen Arbeit, zu tun.Die gesamte Wertbestimmung der volkswirtschaftlichen Leistungen ist auf den unmittelbar bestimmbaren, meßbaren Anteil der Körperarbeit zu beziehen, wie Caspar dies aus folgender Betrachtung ableitet. Er geht aus didaktischen Gründen von dem Zustand einer Volkswirtschaft aus, die sich noch im Stadium der bloßen (auf rein körperlicher Arbeit beruhenden) Bearbeitung von Grund und Boden befindet.** Die Höhe der (volkswirtschaftlichen) Wertbildung ergibt sich dabei aus dem Verhältnis der Bevölkerungszahl zu der verfügbaren brauchbaren Bodenfläche. Was auf den einzelnen in diesem Stadium der auf reiner Körperarbeit beruhenden Wertbildung entfällt, dessen er im Minimum bedarf, kann als "Urproduktion" bezeichnet werden (S. 17). (Auf diese reale Größe der gesamtgesellschaftlichen "Urproduktion", kann dann letztlich auch eine sachgemäße Geldschöpfung und Preisbildung be zogen werden.) Durch den Kulturfortschritt kommt noch ein zweiter Wertbildungsfaktor hinzu, "nämlich der der intelli genten Organisation der Arbeit (u. a. Technik)" (S. 18f.). Dies ermöglicht eine Ersparnis der unmittelbar an der Natur gelei steten körperlichen Arbeit. Hierdurch können wiederum Menschen für andere Tätigkeiten freigestellt werden. Der Wert dessen, was jemand, der außerhalb der Bodenbearbeitung steht, durch seine Tätigkeit hervorbringt, beziehungsweise leistet, entspricht dann dem auf ihn aus der Bodenproduktion entfallenden Teil. Geistige Arbeit wird also erst dadurch ermöglicht, indem Arbeit an der Natur erspart wird. "Ihr Wert wird genau durch diese Einsparung bestimmt" (S. 18).Das heißt, "die Aufhebung körperlicher (handwerklicher) Arbeit durch geistige Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinne macht der Wert letzterer bestimmbar" (S. 19). Geistige Arbeit kann also nicht unmittelbar, aber mittelbar, eben durch diese "Ein sparung", konkret bewertet werden.***Das Geld ist dann das entsprechende Medium, um die verschiedenartigen Leistungen gegeneinander kompensieren zu können (S. 20). Es ist klar, daß bei entsprechendem Kulturfortschritt und zunehmender technischer Entwicklung die Kaufkraft eines solchermaßen an das "Ureinkommen" gebundenen Geldes zunehmen wird: "Mit dem Kulturfortschritt wachsen die Bedürfnisse, und es wird körperliche Arbeit zunehmend durch intelligente Arbeitsorganisation ersetzt, wodurch die auf das 'Ur'-Einkommen definierten Leistungen immer größer werden, oder anders ausgedrückt, die Kaufkraft des Geldes zunimmt" (S. 20) 4. Bei einer solchen Geldschöpfung wird der (nominale) Wert der gesamten volkswirtschaftlichen Leistungen (das So zialprodukt, das dann der gesamtgesellschaftlichen "Urproduktion" entspricht) konstant bleiben: "Der Wert der gesamten volkswirtschaftlichen Leistungen (Sozialprodukt) muß also bei gleichbleibender Bevölkerungszahl zahlenmäßig immer der gleiche bleiben, weil der Wert zusätzlicher, aufgrund geistiger Arbeit erwirtschafteter Leistungen sich mit dem Wert anderer Leistungen kompensiert, an denen körperliche Arbeit erspart wurde" (S. 25).Durch ein derartiges Erfassen der menschlichen Leistungen und der damit verbundenen polaren Wertbildung läßt sich dann auch alles Weitere ableiten (der Begriff der Kapitalbildung, die Geldschöpfung u. a.). Um die unterschiedliche Qualität der mehr körperlichen und der mehr geistigen Tätigkeit in der ganzen Tiefe erfassen zu können, braucht es im Grunde ge nommen eine neue Qualität des Denkens 5. Der Polarität der volkswirtschaftlichen Wertbildung liegt eine bisher weitgehend vernachlässigte Gesetzmäßigkeit zugrunde, das Prinzip der "inversen Polarität" (S. 95), die hier in der menschlichen Tätigkeit zur Erscheinung kommt.
Großen Wert legt Caspar auf ein sachgemäßes Verständnis des Begriffes der Kapitalbildung, darauf, wie "Kapital" überhaupt entsteht (Kapitel III). Diesen Begriff der Kapitalbildung leitet er unmittelbar aus der in sich polaren Natur der volkswirtschaftlichen Wertbildung ab: Kapital entsteht in der Folge der durch den Geist immer mehr organisierten Arbeit (zunehmende Arbeitsteilung, Rationalisierung, Technisierung), das heißt Kapital ist der in Geld ausdrückbare Gegenwert des Ergebnisses der unmittelbar an der Natur ersparten körperlichen Arbeit: "Kapital entsteht mit der Arbeitsteilung, als mittels Geist rationeller wirkende Arbeit. Und je mehr Arbeit durch den Geist rationalisiert wird, je weiter also die Kapitalbildung fortschreitet, je höher die Kapitalbildung ist, desto mehr löst sich die Arbeit von ihrer unmittelbaren Verbindung mit der Natur (...) Das Medium, das diesen Abstraktionsprozeß in sich trägt, ist das Geld. Es verhält sich wie ein Abstraktum zu dem Besonderen, das in der Volkswirtschaft als Kapital in Form von Produktionsmitteln existiert. Es ermöglicht den Wert auszudrücken, der durch Arbeitsteilung erwirtschaftet und von einem auf den anderen übertragen werden kann. Das Geld ermöglicht wiederum, daß Geist in den volkswirtschaftlichen Prozeß eingreifen kann. Arbeitsteilung und Kapitalbildung rufen nach einem Geldsystem, weil dieses mit der Übertragung von Werten deren erfinderische Zusammenstellung zu neuen Produktionsmitteln und Werten ermöglicht. Als Begleiterscheinung der Kapitalbildung tritt die Geldwirtschaft auf" (S. 29). Durch fortschreitende Arbeitsteilung, Rationalisierung, durch Geist zunehmend organisierte Arbeit, kann eine Volkswirtschaft entsprechend mehr Menschen, die bisher in der Landwirtschaft tätig waren, für andere Tätigkeiten freistellen. Der Wert dieser Freistellung, entspricht dem Wert des Ergebnisses der (durch intelligente Organisation) unmittelbar an der Natur ersparten Arbeit. Indem die Kapitalbildung in solcher Art aus der unmittelbar an der Natur ersparten Arbeit abgeleitet wird, wird ersichtlich, daß erst aus diesem "Überschuß" aus der Bodenproduktion industrielle Tätigkeit möglich wird: "Das bedeutet, daß aller Industrialismus mit einem Passivum gegenüber der Bodenproduktion arbeitet, daß die Unterbilanz der industriellen Produktion aus dem Überschuß der Bodenproduktion gedeckt wird" (S.29). Das heißt, daß die Industrie eigentlich fortwährend aus den durch zunehmende Rationalisierung erwirtschafteten Überschüssen aus der Bodenproduktion (Landwirtschaft) bevorschußt wird 6. In bezug auf eine anzustrebende zukünftige Gesellschaftsordnung würde dies beinhalten, daß das durch Arbeitseinsparung an der Bodenproduktion gewonnene Kapital der Industrie (für ihre In vestitionszwecke) in Form von Leihgeld (S. 51) zur Verfügung gestellt wird. Weitere Überschüsse würden dann in Form von Schenkungsgeld (S. 52) in den Erziehungs- und Kultursektor überzuführen sein: "Sofern die Industrie das ihr seitens der Bodenproduktion zur Verfügung gestellte Kapital nicht mehr absorbieren kann, sollte es als Schenkung im Erziehungs- und Kultursektor verbraucht werden (S. 31)".
Weiter geht Caspar auf die gegenwärtige Handhabung von Arbeit und Kapital und die damit verbundenen Folgen für das soziale Leben ein (Kapitel V; siehe anschließenden Kasten). Insbesondere geht er hierbei auf das Phänomen der "Verschleißwirtschaft" ein, das durch das unmittelbare Gekoppeltsein von Arbeit und Einkommen hervorgerufen wird. Über den heute veralteten Lohnbegriff führt er aus: "An die Stelle des alten Lohnbegriffes muß die Einsicht treten, daß es sich volkswirtschaftlich nur um die Verteilung des Arbeitsergebnisses handeln kann. In Wirklichkeit findet heute schon eine Auseinandersetzung über die Verteilung des Erlöses - aber cachiert - statt; denn so paradox das sich ausnimmt, Lohn als Bezahlung von Arbeit gibt es gar nicht, nur die Verteilung des Erlöses des Arbeitsergebnisses" (S. 44). Durch Einrichtungen des Wirtschaftslebens, die Assoziationen, müssen "die Preise der erarbeiteten Leistungen in Korrelation zu den einzelnen Einkommen gebracht werden" (S. 45). Durch die Assoziationen wird in der Zukunft die Preis- und Einkommensgestaltung vorzunehmen sein. "Als wirtschaftliche Richtlinie des auf den einzelnen entfallenden nominellen Einkommens hat der Quotient aus der Division des Ureinkommens durch die Bevölkerungszahl zu gelten" (S. 44).
|
In seinen Ausführungen über die Geldschöpfung (Kapitel VI) stellt der Autor in übersichtlicher Weise die gegenwärtige (Präsenzbild) und eine auf die Zukunft ausgerichtete Geldschöpfung dar (Prospektivbild). Über eine solche zukünftige Geldschöpfung schreibt er: "Unsere bisherigen Ausführungen über Kapital und Preisbildung haben gezeigt, daß das Geld in der arbeitsteiligen, kapitalistischen Wirtschaft die Funktion des Austauschmittels der Leistungen aller Art und sozusagen den Charakter einer Buchhaltung der wirtschaftlichen Leistungen sowie der Einkommen besitzen sollte. Damit sich im Geldsystem die Preisbildung von der Urproduktion her gemäß unserer Preisformel spiegelt, hat die Geldschöpfung von der Wertbildung auszugehen, die durch das Verhältnis der Bevölkerung des betreffenden Währungsgebietes zur brauchbaren, beziehungsweise benötigten Bodenfläche gegeben ist (...) Das ist das Entscheidende der Schöpfung eines solchen Geldes: Durch die Gleichsetzung der Geldmenge (Monetäre Basis) mit der Urproduktion wird diese vom Abstrakten ins Konkret-Bestimmbare hinübergeführt und das Geld zur Buchhaltung der Leistungserlöse und Einkommen" (S. 48f.) 7. Einer solchen Form der Geldschöpfung liegt ganz folgerichtig die Kenntnis der in sich polaren Natur der volkswirtschaftlichen Wertbildung zugrunde: Damit ein auf die Zukunft hin ausgerichtetes Geld die realen volkswirtschaftlichen Prozesse widerspiegeln kann, muß dessen Wert (in Form der Geldmenge) an diejenige Größe, die den real erfaßbaren Wert der Leistungen einer Volkswirtschaft zum Ausdruck bringt, an die Urproduktion, gebunden werden. Erst ein solchermaßen stabiles, auf einen realen volkswirtschaftlichen Wert bezogenes Geld, das dann nicht selbst ein Wirtschaftsfaktor sein kann, gibt die Grundlage ab für eine durch die Assoziationen vorzunehmende Buchhaltung der Leistungserlöse und Einkommen.
In den beiden letzten Kapiteln des Buches (VII und VIII) geht der Autor die Zusammenhänge weiter vertiefend auf das Prinzip der Assoziationen (siehe anschließenden Kasten) und die Dreigliederung des sozialen Organismus ein. Die Dreigliederung ist diejenige soziale Ordnung, in welcher die Gesetzmäßigkeit der polaren Wertbildung die entsprechende Berücksichtigung finden kann. Zudem kann in einer solchen Ordnung auch die Trennung von Arbeit und Einkommen konsequente Realisierung finden, damit in der Zukunft Arbeitslosigkeit und unnötige Arbeit (zwecks Einkommensbeschaffung) überwunden werden können. Den Assoziationen kommt in dieser Ordnung unter anderem auch die Aufgabe der transparenten Überführung der durch geistige Leistungen (durch Arbeitsersparnis an der Bodenproduktion) gewonnenen Überschüsse in Form von Schenkungsgeld in das Geistesleben zu (S. 69): "Damit die Assoziationen ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht werden können, nämlich einen Ausgleich zwischen den Bedürf nissen der Menschen und dem Wert der menschlichen Leistung zu schaffen, werden sie Funktionen der heutigen Gewerkschaften (Einkommenspolitik), Unternehmerverbände (Preisbildung) und des Fiskus (Finanzierung des Bildungs- und Erziehungslebens) übernehmen und in einen transparenten inneren Zusammenhang bringen. In den Assoziationen finden die wirtschaftlichen Aspekte der (...) drei Glieder des sozialen Organismus ihre Koordination."
|
Das Wirtschaftsleben, das heute nach den Prinzipien von Angebot und Nachfrage eingerichtet ist und daher allem den Stempel der Ware aufdrückt, beherrscht heute in seiner Einseitigkeit das gesamte gesellschaftliche Leben. Es ist daher um so notwendiger, gerade für den Bereich der Wirtschaft zu wirklichkeitsgemäßen Gedanken zu gelangen, die eine Richtschnur dafür abgeben können, um das Wirtschaftsleben in der Zukunft in sachgemäßer Weise in den gesamten gesellschaftlichen Organismus hineinstellen zu können. Mit seinem Buch kommt Caspar dieser Forderung nach. Aufgrund der inhaltlichen Dichte, des übersichtlichen Aufbaues und dem anschaulichen Vermitteln grundlegender Begriffe und Gesetzmäßigkeiten eines auf die Zukunft ausgerichteten Wirtschaftslebens kann dieses Buch wärmstens empfohlen werden. Von der Natur der Sache her verlangt es dem Leser aber eine gewisse Eigenaktivität ab. Je mehr dieser bereit ist, eigene Denkgewohnheiten, vielleicht auch eigene Vorurteile, aufzugeben und sich darum bemüht, sich in die durch Caspar vermittelte Begrifflichkeit einzuarbeiten und sich diese auch anzueignen, um so größer wird ihm der Wert dieses Buches werden. Es handelt sich um ein eigentliches Studienbuch. Die Begrifflichkeit, die es vermittelt, stellt aber das notwendige Rüstzeug dar, um ein tiefergehendes Verständnis des gegenwärtigen Geschehens im Wirtschaftsleben zu erlangen und um innerhalb dieses Bereiches des sozialen Organismus auf entsprechende Veränderungen überhaupt zielgerichtet hinarbeiten zu können.
Andreas Flörsheimer, Möhlin
* Alexander Caspar, Wirtschaften in der Zukunft, Klett und Balmer & Co. Verlag, Zug. Broschiert, 95 S., Fr. 28.--, ISBN 3-264-83149-X
** Siehe Beiblatt - nur in der gedruckten Version von Der Europäer.
*** Auch rein geistige Arbeit im nicht-volkswirtschaftlichen Sinne (Lehrtätigkeit, Kunstschaffen) läßt sich in dieser Art wirtschaftlich mittelbar bewerten - durch das Maß an Einsparung von unmittelbar geleisteter Körperarbeit.
|
1 |
Siehe: Rudolf Steiner: Nationalökonomischer Kurs/Nationalökonomisches Seminar, Rudolf Steiner Taschenbücher aus dem Gesamtwerk, Rudolf Steiner Nachlaßverwaltung, Dornach 1996. | ||||||||
|
2 |
An späterer Stelle führt Caspar hierzu aus: "Volkswirtschaftlich kommt die Arbeit für sich gar nicht in Betracht; denn sie stellt als solche keinen Wert dar. Bezahlt wird das Arbeitsergebnis, und nur das ist volkswirtschaftlich erfaßbar. Nach Art und Zeit ist Arbeit eine Rechtsfrage. Dem Wirtschaftsprozeß fällt die Regelung der gegenseitigen Bewertung der Waren zu, wieviel der eine für seine Leistung von den Leistungen des anderen zu erhalten hat" (S.43). | ||||||||
|
3 |
Im Kapitel IV geht Caspar auf diesen Aspekt der Verfügung über Kapital ein: "Der Kapitalismus, wie er hier begründet wird, soll ermöglichen, daß derjenige, der dazu befähigt ist, über Kapital in Form von Produktionsmitteln oder Geld verfügen, aber gerade deshalb eine Beziehung zur Produktion entwickeln kann. Er sollte nur so lange mit den Produktionsmitteln verbunden bleiben, als er seine Fähigkeiten im Dienste der Produktion verwenden kann (...) Man wird auf diese Weise zum Begriff des zeitlich begrenzten, rotierenden Besitztums als neue Form des Eigentums kommen, was bedeutet, daß Produktionsmittel nur so lange mit einer Person oder Personen gruppe verbunden sind, als es die Fähigkeiten dieser Personen rechtfertigen. An Stelle anonymen Aktienbesitzes wird auf Fähigkeit und Tüchtigkeit beruhender Direktbesitz von Produktionsmitteln erstrebt" (S. 36/37). | ||||||||
|
4 |
Im Kapitel VI führt der Autor hierzu aus: "Der Wert eines solchen Geldes (oder seine Kaufkraft) nimmt in dem Ausmaß zu, in dem im Wirtschaftsprozeß der Anteil der im volkswirtschaftlichen Sinne geistigen Arbeit (Rationalisierung) gegenüber der körperlichen Arbeit wächst. Der volkswirtschaftliche Prozeß nimmt von der Bodenproduktion seinen Ausgang. Die Geldmenge wird sich mit der Bevöl kerungszahl ändern. Jeder Mensch wird aus der Bodenproduktion erhalten und durch die Geldschöpfung buchhalterisch erfaßt (dies nicht im Sinne eines Polizeistaates, sondern um der befreienden Trennung der fatalen unmittelbaren Koppelung von Arbeit und Einkommen willen). Das Geld wird daher zeitlich befristet, um ihm seine Buchhalter- und Tauschmittelfunktion zu gewährleisten; eine Hortung wird verhindert" (S. 51). | ||||||||
|
5 |
Demgegenüber pflegt die heutige Nationalökonomie weitgehend ein Denken, das nur mit dem rein Dinglichen zu rechnen vermag und demzufolge Geld, Kapital und Arbeit nur im Sinne einer Ware erfassen kann. | ||||||||
|
6 |
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen (insbesondere aufgrund der heutigen Art der Geldschöpfung) entsteht jedoch der gängige Eindruck, die Industrie unterhalte die Landwirtschaft (S. 31ff.): "Die Landwirtschaft ist aber systembedingt auf dem besten Wege, sich falsch in das Wirtschaftssystem zu stellen und sich zugrunde zu richten (...) Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist sie aber aus Rentabilitätsgründen im Wettstreit mit der Industrie gezwungen, ihr Einkommen über die Menge des Gütererzeugens zu erhalten (...) Dadurch kommt die Landwirtschaft heute immer mehr in die Überproduktion, die zu einem falschen Preisverhältnis zwischen landwirtschaftlichen und industriellen Erzeugnissen führt. Dies bedeutet, daß die Landwirtschaft heute der Industrie permanent Werte verschenkt und der Landarbeiter gegenüber dem Industriearbeiter ein niedrigeres Einkommen erzielt." | ||||||||
|
7 |
Im Gegensatz dazu versuchen die heutigen Notenbanken der wichtigsten Industriestaaten die Geldmenge nach der Entwicklung des Bruttosozialproduktes auszurichten (S. 47ff.). Dies hat unter anderem aufgrund der damit verbundenen Überbewertung der industriellen gegenüber der landwirtschaftlichen Produktion fatale Folgen für die Landwirtschaft (S. 58f.): "Die Geldmenge mit der Güterproduktion wachsen zu lassen, wäre nur richtig, wenn es sich nur um aufgrund von körperlicher Arbeit vermehrte Naturprodukte handelte. Im Moment, wo es sich aber um durch Rationalisierung, also Einsparung körperlicher Arbeit erzeugte Industriegüter handelt, müssen deren Preise sinken. Sonst bläht man das Preisniveau der industriellen Güter auf, bewirkt Inflation, die heute die Zinsen steigen läßt, und zerstört die Landwirtschaft, eben weil man das industrielle Preisniveau gegenüber dem der Landwirtschaft erhöht. Dadurch wird der Landwirtschaft die Bodenrente entzogen, wie dem Bürger Kaufkraft entzogen wird, wenn der Staat mangels Steuereinnahmen zur Deckung seiner Ausgaben einfach Geld schafft und in sein Währungssystem einfließen läßt. Dann befindet sich die Landwirtschaft in der hoffnungslosen Lage, über die Menge des Gütererzeugens einen Ausgleich schaffen zu wollen. Je mehr die Landwirtschaft rationalisiert, daß heißt, je mehr Menschen sie freistellt, welche industrielle Güter erbringen, die nun wiederum zu einer Geldvermehrung führen, um so mehr gerät sie ins Hintertreffen."
| ||||||||
Quelle: Der Europäer, 08/1999, S. 15-20, Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift