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Wirtschaftsleben und weltweite Brüderlichkeit

Kann man mit der Brüderlichkeit auch im Kleinen anfangen ?

Wie sich Großkonzerne verrechnen können

Wer die Entwicklung der letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat, der weiß um den Kampf der Globalisierungsgegner gegen die etablierte Weltwirtschaftsordnung. Unter diesen Unzufriedenen gibt es nicht nur solche, die sich eine Wiedererstarkung des alten Nationalstaates wünschen, sondern auch solche, die in die Zukunft schauen und nach wirklichen Alternativen suchen.

Ein Problem ist dabei, daß wirtschaftliche Alternativen erstmals zu kleine Brötchen backen. Hat man da gegen Schwergewichte wie Monsanto oder Nestlé überhaupt eine Chance? Nur ein Beispiel: Wegen dem Preiskrieg der deutschen Handelsketten um den Kaffee ist der Umsatz von fair gehandeltem Kaffee zur Zeit sogar rückläufig. Hier bleibt kaum eine andere Möglichkeit für Organisationen wie TransFair, als auf andere Produkte auszuweichen, die nicht so heiß umkämpft sind.

Die globalen Konzerne sind aber nicht das einzige Problem. Hinzu kommt, daß manche Wohltätigkeitsorganisationen in erster Linie das schlechte Gewissen ihrer Geldgeber entlasten wollen. Sie verschenken Überschüsse der Industrieländer, ohne darauf zu achten, daß sie möglicherweise die wenigen übriggebliebenen heimischen Produzenten um ihren Absatz bringen und damit endgültig ruinieren.

Dies ist kein Plädoyer gegen humanitäre Hilfe. Wer es aber mit der Brüderlichkeit ernst meint, braucht nicht nur Geld, sondern eine ständige Korrektur durch die Auseinandersetzung mit möglichst allen betroffenen Akteuren. Und hier liegt der Kern des assoziativen Ansatzes Steiners. So klein eine Assoziation zunächst auch sein mag, die Priorität liegt immer bei der Zusammenführung ungleicher Interessen. Da der Blick heute einseitig auf die Produzenten gerichtet ist, geht es daher zunächst um eine frontale Konfrontation mit den Konsumenteninteressen. Wer hier etwas bewirken will, hat keine andere Möglichkeit als die Großkonzerne durch einen breit angelegten Boykott in die Knie zu zwingen und sein Geld den Produzenten zu geben, die sich kooperativer zeigen.

Es darf dabei nur nicht aus den Augen verloren werden, daß eine echte Assoziation sich nicht nur von dem Konsumenten über den Handel bis hin zum Produzenten erstreckt. Sondern es geht bei den Produzenten auch darum, sich mit ihren Konkurrenten zusammenzusetzen - natürlich unter Aufsicht der Konsumenten. Diese weitere Perspektive muß immer präsent sein und jede Gelegenheit dazu genutzt werden, sonst verkommen die angeblichen Assoziation zu einem Instrument der Kundenbindung.

Vorbereitungsmaterialien

Stellen aus dem Gesamtwerk Rudolf Steiners
4. Band, Assoziation und Wirtschaftsleben

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